…(stadt)ansichten nr. 76 …300 meter ingolstadt

…ein kurzer abendspaziergang mit unserem hund. und gut (geschätzt) 300 meter ingolstadt, die kontrastreicher nicht sein könnten.

…zunächst auf einer strecke von nur weniger als 100 meter diverse (private) „gärten des grauens„, die insektenfreundlichen blühpflanzen keine heimat geben können. pflegeleichte, aufgeräumte, sterile (vor)gärten, die leider keine gute ökologische visitenkarte überreichen.

…und dann nur wenige meter weiter streifen öffentliches grün. ganz anderes grün mit inseln von blühpflanzen, die insekten einladen und bienen nahrung geben. hier gebührt ein dank den gärtnerinnen und gärtnern des gartenamtes unserer stadt.

…und dann kurz noch der blick aus unserem sommerlichen küchenfenster (mit erlaubnis der frau), der mir zeigt, dass wir mit unserem naturnahen garten durchaus auch in der richtigen richtung unterwegs sind.

…ich kann nur an die unbekannten und ungenannten besitzerinnen und besitzer der „steinwüsten“ appellieren, sie bitten, mehr blühpflanzen, mehr natur, mehr wildheit ein chance zu geben. die bienen, die insekten werden es danken und das eigene auge auch.

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…(k)eine zierde für den verein

…“eine zierde für den verein“, so lautet der titel des einzigen romans der berühmtesten ingolstädter autorin, marieluise fleißer. und der protagonist dieses romans geht auch just dem schwimmsport nach.

…seit nunmehr fast drei jahren darf ich, bin ich mit in der leitung unseres größten ingolstädter schwimmvereins (sein), dem sc delphin ingolstadt e.v. und seit nunmehr fast drei jahren, gerade wieder ganz aktuell, begegnet mir ein thema, das ich hier jetzt einfach mal in ein paar zeilen fließen lassen will.

…beginnen wir aber von vorn. was bedeutet denn eigentlich das wort „verein“. ich habe mal nachgeschaut. verein ist eine „organisation von menschen mit einem gemeinsamen ziel oder gemeinsamen interessen“. in einem sportverein wollen die menschen also demnach eine sportart ausüben, um sich zu bewegen, sich körperlich fit zu halten oder sich auch im wettkampf zu messen. gut so.

…dies entspricht auch meinem erleben. in meinem verein betätigen sich über 1.000 menschen in den verschiedensten sportformen, die mit und im wasser passieren. ganz vorne steht dabei natürlich das schwimmen, eine der grundlegendsten fähigkeiten, die wir menschen erlernen können. angefangen vom anfängerschwimmkurs, in dem es um die grundfähigkeit geht, bis hin zum leistungsschwimmsport bietet auch der sc delphin ingolstadt e.v. einen ganzen fächer an betätigungsformen. nicht zuletzt erfüllen wir bei den uns anvertrauten kindern und jugendlichen mit unseren angeboten auch einen wichtigen teil an erziehungsarbeit.

…und all dies geschieht durch die übungsleiterinnen und übungsleiter, trainerinnen und trainer, auch den sonstigen verantwortungsträger/innen in (zumeist unentgeltlicher) ehrenamtlicher arbeit. alle geben ihre freizeit ihrer leidenschaft am (schwimm)sport hin. dafür werden dann auch opfer im familiären bereich und beispielsweise auch bei sonstigen sozialen beziehungen in kauf genommen.

…mein erleben in den letzten drei jahren ist nun, dass dieses engagement und die leistungen, die ein verein damit erbringt (leider) immer weniger geschätzt werden. da schaffen es immer wieder ein paar wenige menschen durch ihre haltung, den verein letztlich als gesellschaftlichen dienstleister anzusehen, dessen leistungen durch den mitgliedsbeitrag weitestgehend abgegolten sind. und sie schaffen es durch ihre ablehnung des eigenen einbringens von mitarbeit zur erreichung des gemeinsamen ziels, sand ins getriebe zu streuen. sand, der die bemühungen der verantwortlichen hemmt, anstrengungen zu neuerungen außer acht lässt und – ja, auch das darf gesagt werden – immer wieder frustriert. frustration, die schon wertvolle kräfte auch in meinem verein zum rückzug bewogen hat.

…ich will und werde mich aber nicht zurücknehmen. das nachdenken, einfühlen in das, was ich im moment erfahre, zeigt mir vielmehr, dass es die große mehrheit der menschen, die mit mir ein gemeinsames ziel verfolgen, wert sind, klarheit und deutlichkeit gegenüber der minderheit zu zeigen, die nicht gewillt ist, auch nur einen kleinen beitrag (persönlich oder durch einen geringen obulus) zu erbringen. solch mitmenschen sind – um marieluise fleißer nochmal heran zu ziehen – wahrlich keine zierde des vereins.

…eine zierde des vereins sind vielmehr all diejenigen, die sich einbringen, mitarbeiten, um das gemeinsame ziel zu erreichen. ihnen gebührt mein dank und meine anerkennung.

…(stadt)ansichten nr. 75 …südtribüne

…da habe ich im beim heutigen spiel des fc ingolstadt 04 (gegen des sv sandhausen und das war am ende nicht so erfolgreich) mal in richtung südtribüne zum fanblock des fc04 geschaut und es hat mich ein blitz getroffen, ein positiver blitz.

…genau, das habe ich ich gesehen, diese beiden transparente: echte bürgerprojekte statt pr-spielereien – fanprojekt jetzt!!!

…warum hat mich das so berührt? unter dem 09.10.2018 habe ich genau das im stadtrat beantragt: ein fanprojekt für den fc ingolstadt 04.

…und vor diesem hintergrund hat mich diese fanaktion positiv berührt, unheimlich gefreut und sehr motiviert, weiterzumachen. denn wenn initiativen, eigene anträge auf so fruchtbaren boden fallen bei denen, für die ich mich einsetze, die es betrifft, dann ist einfach nur gut, sich einzusetzen, sich zu engagieren.

…noch hat der stadtrat nicht entschieden (es geht hier letztlich um eine summe von 50.000,- eur jährlicher cofinanzierung neben der freistaat und dem dfb, der dfl) und wenn ich diese meinung der fans sehe, dann muss gekämpft werden. gekämpft werden für ein fanprojekt, für die fans.

…(eur)aiku nr. 43 …unite(d)

…heut nachmittag hat mich ein befreundeter autor, der wahrgenommen hat, dass ich mich hier mehr oder weniger an haikus versuche, auf einen aktuellen politischen „haiku“ aufmerksam gemacht. es ist dieser „haiku“ zum brexit:

…darauf muss ich einfach mit einem eigenen hoffnungsvollen, positiven (eur)aiku antworten:

i have a dream of

united states of europe

come on, come on now

…europa ist auf jeden fall schon mal in unserer einfahrt angekommen.

…(stadt)ansichten nr. 56 …veränderung

…gehört zu unserem leben. jeden tag, jede stunde, jede sekunde passiert veränderung, kann sich das leben wandeln, zum guten, aber auch auf die „dunkle“ seite. sich dem wandel stellen, ihn gestalten, die veränderungen akzeptieren, nicht an altem festhalten, ist unsere (lebens)aufgabe.

…auch im osten unserer stadt passiert gerade (große) veränderung. auf dem vormaligen gelände der bayernoil-raffinierie wächst der in-campus in die höhe.

…zunächst werden die sog. projekte-häuser dort gebaut. es entsteht ein neues quartier, in dem vor allem entwicklung, also kreativität und geistige arbeit, stattfinden soll. ich bin gespannt, was dort entsteht, weiter wächst, weiter veränderung unserer stadt bewirkt…

…(stadt)ansichten nr. 55 …drei farben

…da waren an diesem wochenende ereignisse, die mich aufhorchen lassen, die uns alle aufhorchen lassen müssen.

….zunächst einmal wurde der kapitän des fc ingolstadt 04, almog cohen, anlässlich des spiels bei union berlin in einem tweet antisemitisch angegangen. sodann fand auch noch bei einem spiel des regionalligisten chemnitzer fc eine trauerfeier für einen neonazi mit unterstützung des vereins statt.

…und bei der fahrt durch zuchering ist mir am kirchplatz an einem wegweiser dann ein kleiner aufkleber aufgefallen. ein aufkleber mit drei farben.

…aber es sind nicht nur irgenwelche farben. nein, es ist ein aufkleber in den farben der fahne des deutschen reiches.

…und diese reichflagge symbolisiert nun beileibe keine demokratische, keine tolerante einstellung. die verwendung der reichsflagge ist vielmehr ein (nicht verbotenes) erkennungszeichen des neonazismus.

…und das lässt mich frösteln. es fröstelt mich, weil der geist der ausgrenzung auch in unserer stadt immer noch vorhanden ist, mal mehr, mal weniger sichtbar. es fröstelt mich, weil in dieser zeit dieser geist der intoleranz, des sich überlegen fühlens an vielen punkten unserer gesellschaft auch immer wieder stärker wird.

…so ein erleben lässt mich aber auch aufstehen, aufstehen für demokratische offenheit, für die buntheit unserer gesellschaft. denn nur durch die vielfalt, durch gemeinsame anstregungen aller bürger*innen, ja aller menschen, lassen sich die probleme, die folgen des menschenzeitalters angehen und vielleicht noch für künftige generationen abmildern.

…deswegen bin ich so scheinbar unscheinbaren aufklebern gegenüber aufmerksam, wachsam und werde nicht müde werden, für meine überzeugungen, meine werte einzutreten. punkt.

…(stadt)ansichten nr. 54 …ein schwarzer schwan

…ist mir heute nachmittag auf dem weg durch das glacis im künettegraben über „den weg geschwommen“.

…in diesen tagen denkt man in ingolstadt angesichts dieses ungewöhnlichen tieres auch an so manch entwicklung in unserer stadt, die ich (leider) nur mit dunklen wolken vergleichen kann (die auch flugtaxis nicht werden vertreiben können).

…so müssen wir zur kenntnis nehmen, dass die leitung des größten arbeitgebers am ort viele, fast alle, gewissheiten, manche schon fast zur selbstverständlichkeit geworden, in frage stellt.

…recherchiert man dann etwas zum „schwarzen schwan“ taucht das „schwarze-schwan-phänomen“ aus der finanzbranche zuerst auf. der blogger und berater florian semle hat dazu in 2014 deutliche zeilen mit dem titel „wir wissen nicht, was wir nicht wissen“ geschrieben.

…dort heißt es: „Schwarze-Schwan-Phänomene sind Zufälle der besonderen Art. Sie treffen uns plötzlich und völlig unvorbereitet. Im Nachhinein lassen sie sich jedoch leicht erklären, denn wir erkennen die logische Entwicklung, die zu ihnen führte. Bei Schwarzer-Schwan-Ereignissen sind wir also rückwirkend klüger, weil wir einsehen müssen, dass wir vorher zu kurz gedacht haben.

…und weiter: „Schwarze Schwäne überraschen uns, weil wir uns für weitsichtig halten, und deshalb nicht über den Tellerrand unserer Gewissheit blicken. Wir sind uns so sicher, Ereignisse wirklich zu verstehen, dass wir widersprechende Signale einfach ausblenden. Der Schwarze Schwan schwimmt auf uns zu, aber wir ignorieren ihn, weil er scheinbar nicht sein kann.

…was heisst das nun für ingolstadt? ich meine, auch die verantwortlichen der (erwähnten) firma und die verantwortlichen der stadtführung sind einem „schwarzen schwan“ begegnet und müssen nun (meiner meinung nach viel zu spät) um- und gegensteuern. sie haben die entwicklungen um sie herum vielleicht schon wahrgenommen, aber diese auf der grundlage des erreichten und dessen hohen niveaus wohl zu lange ausgeblendet.

…aber schon 2011 wurden in einer umfangreichen studie „die wertschöpfungspotentiale der region ingolstadt“ betrachtet. der kernsatz dort (s. 121) lautet für mich:

„Um die Wirtschaftsstruktur der Region weiter auszubauen, ist eine Diversifizierung durch die Entwicklung anderer Wertschöpfungsfelder unerlässlich.“

…die dort als strategische handlungsfelder genannten bereiche wurden in den folgejahren bis auf den bereich der mobilität zu wenig weiterentwickelt. so hätte man im wertschöpfungsfeld gesundheitswirtschaft und der inwertsetzung der potentiale durch die energiewende einfach mehr aktivitäten entwicklen müssen, von einer stärkeren regionalen vernetzung und etwa auch der kreativwirtschaft nicht zu reden.

…nun schwimmt der schwarze schwan (leider) in unseren gewässern. noch ist es (gott sei dank) nicht zu spät. wenngleich auch die gegenwärtigen bemühungen um die schaffung, aber bei weitem noch nicht der etablierung, eines wissenschaftsstandortes sind natürlich anzuerkennen, aber hätte man beizeiten in den schon 2011 erkannten feldern verstärkt gearbeitet, würden wir vielleicht noch weiße schwäne bei uns sehen.

…meiner meinung nach kann es daher nicht so weitergehen wie bisher. ein „weiter so!“, nur ein bisschen grüner, ein bisschen hipper, effizienter, geht nicht mehr. es braucht einen deutlichen, konsequenten wandel. es braucht, nicht nur in ingolstadt, ein kräftigen, frischen grünen drink.