…(stadt)ansichten nr. 56 …veränderung

…gehört zu unserem leben. jeden tag, jede stunde, jede sekunde passiert veränderung, kann sich das leben wandeln, zum guten, aber auch auf die „dunkle“ seite. sich dem wandel stellen, ihn gestalten, die veränderungen akzeptieren, nicht an altem festhalten, ist unsere (lebens)aufgabe.

…auch im osten unserer stadt passiert gerade (große) veränderung. auf dem vormaligen gelände der bayernoil-raffinierie wächst der in-campus in die höhe.

…zunächst werden die sog. projekte-häuser dort gebaut. es entsteht ein neues quartier, in dem vor allem entwicklung, also kreativität und geistige arbeit, stattfinden soll. ich bin gespannt, was dort entsteht, weiter wächst, weiter veränderung unserer stadt bewirkt…

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…(stadt)ansichten nr. 55 …drei farben

…da waren an diesem wochenende ereignisse, die mich aufhorchen lassen, die uns alle aufhorchen lassen müssen.

….zunächst einmal wurde der kapitän des fc ingolstadt 04, almog cohen, anlässlich des spiels bei union berlin in einem tweet antisemitisch angegangen. sodann fand auch noch bei einem spiel des regionalligisten chemnitzer fc eine trauerfeier für einen neonazi mit unterstützung des vereins statt.

…und bei der fahrt durch zuchering ist mir am kirchplatz an einem wegweiser dann ein kleiner aufkleber aufgefallen. ein aufkleber mit drei farben.

…aber es sind nicht nur irgenwelche farben. nein, es ist ein aufkleber in den farben der fahne des deutschen reiches.

…und diese reichflagge symbolisiert nun beileibe keine demokratische, keine tolerante einstellung. die verwendung der reichsflagge ist vielmehr ein (nicht verbotenes) erkennungszeichen des neonazismus.

…und das lässt mich frösteln. es fröstelt mich, weil der geist der ausgrenzung auch in unserer stadt immer noch vorhanden ist, mal mehr, mal weniger sichtbar. es fröstelt mich, weil in dieser zeit dieser geist der intoleranz, des sich überlegen fühlens an vielen punkten unserer gesellschaft auch immer wieder stärker wird.

…so ein erleben lässt mich aber auch aufstehen, aufstehen für demokratische offenheit, für die buntheit unserer gesellschaft. denn nur durch die vielfalt, durch gemeinsame anstregungen aller bürger*innen, ja aller menschen, lassen sich die probleme, die folgen des menschenzeitalters angehen und vielleicht noch für künftige generationen abmildern.

…deswegen bin ich so scheinbar unscheinbaren aufklebern gegenüber aufmerksam, wachsam und werde nicht müde werden, für meine überzeugungen, meine werte einzutreten. punkt.

…(stadt)ansichten nr. 54 …ein schwarzer schwan

…ist mir heute nachmittag auf dem weg durch das glacis im künettegraben über „den weg geschwommen“.

…in diesen tagen denkt man in ingolstadt angesichts dieses ungewöhnlichen tieres auch an so manch entwicklung in unserer stadt, die ich (leider) nur mit dunklen wolken vergleichen kann (die auch flugtaxis nicht werden vertreiben können).

…so müssen wir zur kenntnis nehmen, dass die leitung des größten arbeitgebers am ort viele, fast alle, gewissheiten, manche schon fast zur selbstverständlichkeit geworden, in frage stellt.

…recherchiert man dann etwas zum „schwarzen schwan“ taucht das „schwarze-schwan-phänomen“ aus der finanzbranche zuerst auf. der blogger und berater florian semle hat dazu in 2014 deutliche zeilen mit dem titel „wir wissen nicht, was wir nicht wissen“ geschrieben.

…dort heißt es: „Schwarze-Schwan-Phänomene sind Zufälle der besonderen Art. Sie treffen uns plötzlich und völlig unvorbereitet. Im Nachhinein lassen sie sich jedoch leicht erklären, denn wir erkennen die logische Entwicklung, die zu ihnen führte. Bei Schwarzer-Schwan-Ereignissen sind wir also rückwirkend klüger, weil wir einsehen müssen, dass wir vorher zu kurz gedacht haben.

…und weiter: „Schwarze Schwäne überraschen uns, weil wir uns für weitsichtig halten, und deshalb nicht über den Tellerrand unserer Gewissheit blicken. Wir sind uns so sicher, Ereignisse wirklich zu verstehen, dass wir widersprechende Signale einfach ausblenden. Der Schwarze Schwan schwimmt auf uns zu, aber wir ignorieren ihn, weil er scheinbar nicht sein kann.

…was heisst das nun für ingolstadt? ich meine, auch die verantwortlichen der (erwähnten) firma und die verantwortlichen der stadtführung sind einem „schwarzen schwan“ begegnet und müssen nun (meiner meinung nach viel zu spät) um- und gegensteuern. sie haben die entwicklungen um sie herum vielleicht schon wahrgenommen, aber diese auf der grundlage des erreichten und dessen hohen niveaus wohl zu lange ausgeblendet.

…aber schon 2011 wurden in einer umfangreichen studie „die wertschöpfungspotentiale der region ingolstadt“ betrachtet. der kernsatz dort (s. 121) lautet für mich:

„Um die Wirtschaftsstruktur der Region weiter auszubauen, ist eine Diversifizierung durch die Entwicklung anderer Wertschöpfungsfelder unerlässlich.“

…die dort als strategische handlungsfelder genannten bereiche wurden in den folgejahren bis auf den bereich der mobilität zu wenig weiterentwickelt. so hätte man im wertschöpfungsfeld gesundheitswirtschaft und der inwertsetzung der potentiale durch die energiewende einfach mehr aktivitäten entwicklen müssen, von einer stärkeren regionalen vernetzung und etwa auch der kreativwirtschaft nicht zu reden.

…nun schwimmt der schwarze schwan (leider) in unseren gewässern. noch ist es (gott sei dank) nicht zu spät. wenngleich auch die gegenwärtigen bemühungen um die schaffung, aber bei weitem noch nicht der etablierung, eines wissenschaftsstandortes sind natürlich anzuerkennen, aber hätte man beizeiten in den schon 2011 erkannten feldern verstärkt gearbeitet, würden wir vielleicht noch weiße schwäne bei uns sehen.

…meiner meinung nach kann es daher nicht so weitergehen wie bisher. ein „weiter so!“, nur ein bisschen grüner, ein bisschen hipper, effizienter, geht nicht mehr. es braucht einen deutlichen, konsequenten wandel. es braucht, nicht nur in ingolstadt, ein kräftigen, frischen grünen drink.

…(stadt)ansichten nr. 53 …“(k)ein frohes fest(?)“

…neujahr 2019, 15:34 an der maximilianstrasse.

…ein zufälliges beispiel der an diesem tag in der ganzen stadt verbliebenen überreste der letzten (silvester)nacht.

…unabhängig von der frage, ob in zeiten, im lichte des klimawandels überhaupt noch privates böllern und feuerwerken zu silvester sein kann und erlaubt werden soll (ich persönlich meine, es geht nicht mehr), ist dies (leider) ein (weiteres) beispiel dafür, dass es bei manchen mitbewohnerinnen und mitbewohnern unserer stadt noch viel bewusstsein(sarbeit) bedarf, um solche bilder künftig nicht mehr sehen zu müssen.

…mir fallen angesichts solcher szenen (erneut: leider) spontan nur wörter/redewendungen ein, die mit „voll…“ beginnen. aus respekt führe ich diese hier lieber nicht auf.

…“ein frohes fest“ (wie es das (weihnachts)plakat des theaters ingolstadt im hintergrund wünscht) war es vielleicht in der vergangenen nacht. aber wer unsere stadt so hinterlässt, hat noch erheblich luft nach oben. achtsamkeit beginnt im kleinen, im scheinbar nebensächlichen. auf die (innere) haltung kommt es (zuallerallererst) an.

…in diesem sinne allen ein gutes neues jahr 2019.

…haiku nr. 42 …tochter

vogel in der hand

erhebe dich, flieg nun los

spur aus stein nach dir

…(stadt)ansichten nr. 52 …eine zeitreise.

…war dies gestern abend. eine zeitreise 30 jahre zurück. zunächst an einen besonderen ort in der lebenslinie. zurück in die räume des apian-gymnasiums, die sich in diesen drei jahrzehnten kaum verändert haben. zurück zu

…den schülerspinden,

…dem biologiesaal, mit den immer noch gleichen stühlen,

…dem schmetterlingsbild, das dort weiterhin klebt,

…dem musiksaal, in dem die ersten schritte im schultheater stattgefunden haben,

…dem radkeller, in den man täglich über die rampe abgetaucht ist,

…und der orientierungstafeln, die immer noch den (farb)duft der 70iger-jahre versprüht.

…und dann in den gesprächen zurück zu (alten) verbindungen, die noch wunderbare frische in sich tragen, zurück zu alten „wunden“ und ihrer heilung, zurück zu gemeinsamen geschichten und momenten. und ein abend, an dem so manche bisher unausgesprochene (unerfüllte) „lebensbeichte“ (endlich) ausgesprochen wurde. ein abend der immer noch nachschwingt.

…(dahinrasende) stunden zurück in die zukunft.

p.s.: einfach danke!

…(stadt)ansichten nr. 51 …stichwort: nachhaltigkeit

…manchmal ergibt das eine unmittelbar das andere. und diese kette setzt sich dann fort. so ist es mir heut abend ergangen.

…mit meinem stiefsohn war ich heut abend zu seinem ministrantendienst in der kirche st. blasius in zuchering. hinten im kirchenschiff fiel mein blick auf das ökumenische magazin „kleine kniffe“ – für einen nachhaltigen einkauf.

…nach hause gekommen kam mir, dass in unserer stadt von seiten der „regierung“ demnächst verstärkt initiativen zum thema nachhaltigkeit kommen sollen. so habe ich einfach mal wegen des zeitschriftentitels bei google die begriffe „nachhaltige beschaffung ingolstadt“ eingegeben (wirklich). und hier das (ziemlich überraschende) suchergebnis:

…erster treffer: ein beitrag der grünen ingolstadt. dieser treffer verweist auf das programm zur kommunalwahl 2014. in dem entsprechenden programmabschnitt ist, neben vielen anderen punkte, zuerst aufgeführt, dass das beschaffungswesen der stadt komplett auf nachhaltige produkte umstellen sei.

…und wir, meine fraktionskolleg*innen und ich, haben wort gehalten. in der aktuellen stadtratsperiode haben wir – neben vielen anderen themen – auch immer wieder initiativen/anträge zum thema nachhaltigkeit gestellt, so etwa jüngst zur nachhaltigkeitseinschätzung von stadtratsinitiativen/-anträgen.

…denn: es gibt keinen planet b. und wir werden nicht müde werden. eom