…(stadt)ansichten nr. 84 …neue wege

…bewegt man sich abseits gewohnter, eingeübter wege, sieht man neue dinge, neue perspektiven, neue möglichkeiten, schlicht neue wege.

…so ganz real geschehen diese tage entlang der schutter.

…und man sieht „verwunsche“ anwesen. anwesen, an denen man so oft schon achtlos vorbei gekommen ist.

…kaum vorzustellen, dass dies ganz nah zur mitte unserer stadt ist.

…stadtnatur pur. ja, es lohnt sich, neue wege zu gehen, ins offene, mit offenen augen, mit offenem herzen.

…(stadt)ansicht nr. 83 …einblicke

…am heutigen nachmittag durfte ich im rahmen der waldbegehung des stadtrates und des naturschutzbeirates einblicke in ein gebiet haben, das mir schon lange bekannt ist, das ich aber bisher noch nie betreten habe.

…wir duften nämlich die abgezäunte schutzzone 2 des wasserwerks buschletten im süden etwas durchwandern.

…an den tiefbrunnen vorbei sind wir in weitgehend unberührte bereiche gegangen, in den ökologisch wertvolles totholz und zahlreiche biotopbäume zu finden sind.

…und „skulpturen“, „gemälde“, wie sie nur die kraft, macht der natur formen, schaffen kann. aber sie selbst:

…einer der beiden tiefbrunnen

…haiku nr. 44 …weg

sofa im raum, leer

dunkelheit kämpft mit dem tag

auf dem weg liegt licht, neu

…(stadt)ansichten nr. 82 …es wird sommer

…mit einem eis in der hand an der donau im abendlicht, den klang einer gitarre in den ohren wußte, spürte ich, es wird sommer…

…(stadt)ansichten nr. 81 …kindheitsräume

..an diesem klaren, sonnigen abend hat es mich (schon) wieder hinaus gezogen. einfach aufs geratewohl los gegangen. ein weg in kindheitsräume.

…kindheitsräume, neu entdeckt und wiedergesehen.

…am anfang ein verwitterter prellbock im grünen.

…weiter eine alte gleisweiche.

…dann gleise, kommend aus dem nirgendwo, führend in das nirgendwo.

…und ein birkenwäldchen. erinnerungen an reisen in nordische länder.

…kindheitsräume?

…ganz in der nähe dieser orte liegt meine frühere grundschule, die grundschule st. anton an der münchener str.

…diese orte liegen hinter dem „schwarzen weg“. ich habe sie eben ertst neu (wieder)entdeckt, deswegen kindheitsräume.

…und auf dem heimweg dann, zufällig, aus dem augenwinkel, an einem vordach: der ehemalige schanzer sport service.

…erinnerungen. wie oft haben wir dort unsere ski zum wachsen und einstellen hingebracht. das heiße skiwachs noch in der nase. wie oft haben wir dort tagesfahrten gebucht. die dampfenden socken im bus nach hause. mein vater, die skiausrüstung in seinen wagen ladend, uns jungs, meinen bruder und mich, nach hause holend.

…kindheitsräume eben. wurzeln. wichtig. wertvoll. denn ohne sie können wir nicht stehen.

…(landschafts)ansichten nr. 80 …ins offene

…es hat mich (mal wieder) hinaus gezogen. hinaus gezogen auch aus der stadt. hinaus gezogen ins offene, ins weite.

…die letzte zeit war vielfältig, vielschichtig. da war licht und schatten, sturm und stille, regen und sonne.

…gerade der regen entfaltet immer wieder seine reinigende kraft. er reinigt luft, bringt die farben der natur zu neuem leuchten und er verschafft weitblick.

…deshalb schätze ich diese wechsel immer mehr. sie tragen, ist man am richtigen platz ist, den blick, die gedanken mit hinaus ins offene und geben (neuen) raum.

…in diese weite nehme ich dich gerne mit.

…man selbst kann sich dort zu öffnen beginnen. es braucht nicht lange. man fühlt die weite. man entdeckt von der zeit gezeichnete wälder, sieht die vielfältigkeit, spürt die kraft, die macht der natur und erkennt, dass man selbst ein teil von allem ist. verbunden mit allem.

…man beginnt, inne zu halten, näher hinzusehen, tiefer zu blicken und bekommt dabei (meistens) kleine geschenke überreicht.

…man verändert seinen eigenen blickwinkel.

…und man geht, immer die füße fest auf dem boden, nicht den weg zurück, den man gekommen ist.

…sondern man geht ins offene, in die weite und dort findet sich auch stets immer ein weg. ein weg, von dem man von neuem ausschau halten kann.

…(stadt)ansichten nr. 79 …ambivalent dahoam

…ich habe meinen diesjährigen (oster)urlaub (coronabedingt, selbstverständlich) dahoam verbracht. an diesem ostersonntag(nachmittag) nutzte ich das sonnige wetter für eine radtour. diese führte mich erst auf dem südlichen donaudamm richtung neuburg/donau.

…zurück bin ich dann von der grenze der stadt ingolstadt und des landkreises neuburg auf dem donau-radweg richtung ingolstadt gefahren. dieser verläuft entlang der ehemaligen bahnstrecke ingolstadt-neuburg.

…hier trifft man dann nach kurzer zeit auf das wunderschöne biotop „am jackl“, die „jackl brenne“. das 4,1 ha große magerrasen-biotop steht im eigentum des bund naturschutz in bayern (kreisgruppe ingolstadt – ich bin dort auch mitglied) und wird in ehrenamtlicher arbeit gepflegt. die schutzzeit, in der man das biotop nicht betreten darf, hat am 1. märz schon begonnen (und endet erst am 30. september). doch vom rand, vom ehemaligen bahndamm bekommt man auch einen eindruck von der schönheit dieses wertvollen biotops.

…man kriegt ein gespür für die bedeutung dieses geländes und seinen einzigartigen charakter.

…und kann bei genauem hinsehen auch schon erste bewohner*innen entdecken.

…das war der schöne teil meiner radtour. auf dem weiteren weg richtung ingolstadt kam dann nach diesem naturgenuß der weniger angenehme teil. ab dem wasserwerk. buschletten beginnt dann nämlich der jüngst geteerte geh- und radweg nach ingolstadt.

…hier als gegenüberstellung für einen eigenen eindruck, eine einige meinung links der geteerte weg richtung stadt (nach osten) und rechts die fortsetzung des ehemaligen bahndamms richtung neuburg (nach westen):

…für mich ein krasser kontrast, bei dem ich – ja – blutdruck bekomme, ob der unsensibilität der aspahltierung.

…ich bin den neuen teerweg dann bis zum (bitteren) ende beim luitpold-park zu ende gefahren und mein blutdruck ist leider nicht niedriger geworden.

…ein zutiefst ambivalenter ostersonntag(nachmittag). ich fühle mich bei diesen bilder spontan an die br-dokumentarfilm-reihe „topographie“ von dieter wieland erinnert, die meine sensibilität in sachen naturschutz, bauen, verkehr, heimat von kindheit an geprägt hat. wollte, könnte er noch, so wäre dieser teerstreifen womöglich ein weiterer reibungspunkt für ihn.

…(stadt)ansichten nr. 78 …hoffnung

…da liegen sie da. liegen da auf dem feuchten boden auf verlassenen, geschlossenen viktualienmarkt ingolstadt.

…einige für den österlichen schmuck des viktualienmarktes gedachten ostereier-bilder hat der sturm heruntergerissen und verteilt.

…die szene heute morgen auf dem vikualienmarkt war wirklich trist und traurig.

…was mich zur osterzeit und ihrer bedeutung für unseren jahresverlauf führt. ostern ist, christlich gesehen, die zeit der auferstehung, des hinausgehens über den tod. allgemeiner gedeutet ist ostern ein symbol des wandels zum guten, ein symbol der hoffnung, eine zeit des erblühens, des wirksamwerdens neuer kraft in uns und in der natur.

…und so, wie heute im laufe des tages, die sonne auf den regen folgte, so wird, da bin ich mir sicher, dieser pandemie-zeit auch wieder eine bessere, neue zeit folgen. es gibt in all der momentanen unzufriedenheit, der ungeduld, wirklich grund zur hoffnung.

…hoffnung auf eine neue zeit, kein zurück mehr zum vorher, kein zurück mehr zu dem leben vor der pandemie. das ist meine überzeugung. und, passend zum christlichen osterfest, hier eine messerscharfe analyse von papst franziskus (aus: wage zu träumen, kösel verlag 2020, s. 73), die es für mich schlicht und einfach auf den „punkt“ bringt:

„das coronavirus hat eine bereits stattfindende zeitenwende beschleunigt. mit zeitenwende meine ich nicht nur, dass es eine zeit des wandel ist, sondern dass all die kategorien und annahmen, nach denen wir uns zuvor in der welt zurecht gefunden haben, nicht mehr gelten. wir erleben nun dinge, deren eintreffen wir uns nie haben vorstellen können: den zusammenbruch der umwelt, die globale pandemie, die rückkehr der populismen – was wir früher für normal gehalten haben, wird es zunehmend nicht mehr sein. es ist eine illusion zu glauben, dass wir zu den alten zeiten zurückkönnten. restaurationsversuche führen uns immer in eine sackgasse.“

…und so hat mir der himmel, die sonne gerade auch ein zeichen der hoffnung, ein freundliches gesicht geschickt, das dich, mich, uns hoffnungsvoll durch diese zeit gehen lassen kann/sollte.

…denn: es gibt kein zurück, nur ein vorwärts (das nicht weiter so, wie bisher).

…(stadt)ansichten nr. 77 …moment mal

…eine kurze szene von heute vormittag lässt mich nun den ganzen tag über nicht los. zunächst: folgendes habe ich heute früh an der mauthstrasse in ingolstadt beobachtet:

symbolbild – quelle: de.freepik.com

…vor einem brillen- und schuhgeschäft sitzt samstags am morgen, wenn ich zum wochenmarkt gehe, regelmäßig ein bettelnder mann (gegenwärtig mit ffp2-maske). wenn man an ihm vorbei geht, kommt von ihm – auch regelmäßig – ein deutlich vernehmbares „guten morgen“. ob dieser mann nun zu einer (fragwürdigen) bettelnden (organisierten) gruppe gehört oder ob er wirklich bedürftig ist, spielt hier keine rolle. ich habe ihn jedenfalls noch nicht als aggressiv wahrgenommen.

…denn, als ich ich richtung fußgängerzone ging, fuhr ein großer suv in richtung wochenmarkt. unmittelbar vor dem bettelnden mann, in ca. 3-4 meter entfernung, hielt der fahrer an, ließ das fenster herunter, warf ein paar münzen auf die strasse, machte seine seitenscheibe wieder hoch und fuhr weiter. der bettler stand auf und sammelte die münzen von der strasse auf.

…diese szene hat vielleicht nur 10 sekunden gedauert, aber den tag über spuren hinterlassen.

…ich frage mich, welche haltung diesen mann im auto bewogen hat, die münzen aus dem fenster zu werfen anstatt auszusteigen. angst vor ansteckung? eile?

…wenn ich einen moment mal in mich hinein höre, dann mag wohl schon etwas (ein kleines etwas) positives hinter der handlung, münzen aus dem auto zu werfen, gesteckt haben. aber die art und weise, die – und nun beginne ich zu werten – herablassende, ja überhebliche geste von sprichwörtlich und tatsächlich oben herab, ist unwürdig. unwürdig für den handelnden, unwürdig für den bettler, den menschen auf der strasse.

…menschenunwürdig. oder nicht?

…also: wenn dann, steigt (bitte) aus.

…(stadt)ansichten nr. 76 …einwegmasken, die neue plastiktüte

…das ist die „ausbeute“ nur eines spazierganges mit unserem hund heute nachmittag, hier, im süden von ingolstadt. und, wenn man mit offenen augen durch die stadt, die region, das land, europa, die welt geht, wird im moment an vielen orten der welt nicht viel anders ausschauen.

…die corona-pandemie, die (schutz)masken vor einer infektion, haben uns (leider) neben der medizinischen dimension auch ein erhebliches müllproblem geschaffen.

…auch wenn die medizinischen (op)schutzmasken und die ffp2/3-masken wie papier anmuten, gehören diese nicht in den papiermüll. denn neben dem risiko, dass gebrauchten masken auch noch krankheitserreger anhaften, enthalten diese einwegmasken auch kunstofffasern, beispielsweise polypropylen. nach schätzungen (etwa von greenpeace) dauert es rund 450 (!) jahre, bis eine einwegmaske komplett abgebaut ist.

…und, ähnlich wie bei (zum teil bald verbotenen) plastiktüten, gibt es auch schon aus asien und anderen teil der welt berichte, dass einwegmasken, zusätzlich zu unserem sonstigen (plastik)müll, der sich schon in den meeren befindet, zahlreich an strände angespült werden.

…einwegmasken, medizinische (op)schutzmasken, ffp2- und ffp3-masken müssen im restmüll entsorgt werden. denn nur dann stellen sie keine mögliche infektionsquelle und kein müllproblem, hier bei uns ums eck und nicht irgendwo auf der welt, dar. danke!