…(stadt)ansichten nr. 79 …ambivalent dahoam

…ich habe meinen diesjährigen (oster)urlaub (coronabedingt, selbstverständlich) dahoam verbracht. an diesem ostersonntag(nachmittag) nutzte ich das sonnige wetter für eine radtour. diese führte mich erst auf dem südlichen donaudamm richtung neuburg/donau.

…zurück bin ich dann von der grenze der stadt ingolstadt und des landkreises neuburg auf dem donau-radweg richtung ingolstadt gefahren. dieser verläuft entlang der ehemaligen bahnstrecke ingolstadt-neuburg.

…hier trifft man dann nach kurzer zeit auf das wunderschöne biotop „am jackl“, die „jackl brenne“. das 4,1 ha große magerrasen-biotop steht im eigentum des bund naturschutz in bayern (kreisgruppe ingolstadt – ich bin dort auch mitglied) und wird in ehrenamtlicher arbeit gepflegt. die schutzzeit, in der man das biotop nicht betreten darf, hat am 1. märz schon begonnen (und endet erst am 30. september). doch vom rand, vom ehemaligen bahndamm bekommt man auch einen eindruck von der schönheit dieses wertvollen biotops.

…man kriegt ein gespür für die bedeutung dieses geländes und seinen einzigartigen charakter.

…und kann bei genauem hinsehen auch schon erste bewohner*innen entdecken.

…das war der schöne teil meiner radtour. auf dem weiteren weg richtung ingolstadt kam dann nach diesem naturgenuß der weniger angenehme teil. ab dem wasserwerk. buschletten beginnt dann nämlich der jüngst geteerte geh- und radweg nach ingolstadt.

…hier als gegenüberstellung für einen eigenen eindruck, eine einige meinung links der geteerte weg richtung stadt (nach osten) und rechts die fortsetzung des ehemaligen bahndamms richtung neuburg (nach westen):

…für mich ein krasser kontrast, bei dem ich – ja – blutdruck bekomme, ob der unsensibilität der aspahltierung.

…ich bin den neuen teerweg dann bis zum (bitteren) ende beim luitpold-park zu ende gefahren und mein blutdruck ist leider nicht niedriger geworden.

…ein zutiefst ambivalenter ostersonntag(nachmittag). ich fühle mich bei diesen bilder spontan an die br-dokumentarfilm-reihe „topographie“ von dieter wieland erinnert, die meine sensibilität in sachen naturschutz, bauen, verkehr, heimat von kindheit an geprägt hat. wollte, könnte er noch, so wäre dieser teerstreifen womöglich ein weiterer reibungspunkt für ihn.

…(stadt)ansichten nr. 78 …hoffnung

…da liegen sie da. liegen da auf dem feuchten boden auf verlassenen, geschlossenen viktualienmarkt ingolstadt.

…einige für den österlichen schmuck des viktualienmarktes gedachten ostereier-bilder hat der sturm heruntergerissen und verteilt.

…die szene heute morgen auf dem vikualienmarkt war wirklich trist und traurig.

…was mich zur osterzeit und ihrer bedeutung für unseren jahresverlauf führt. ostern ist, christlich gesehen, die zeit der auferstehung, des hinausgehens über den tod. allgemeiner gedeutet ist ostern ein symbol des wandels zum guten, ein symbol der hoffnung, eine zeit des erblühens, des wirksamwerdens neuer kraft in uns und in der natur.

…und so, wie heute im laufe des tages, die sonne auf den regen folgte, so wird, da bin ich mir sicher, dieser pandemie-zeit auch wieder eine bessere, neue zeit folgen. es gibt in all der momentanen unzufriedenheit, der ungeduld, wirklich grund zur hoffnung.

…hoffnung auf eine neue zeit, kein zurück mehr zum vorher, kein zurück mehr zu dem leben vor der pandemie. das ist meine überzeugung. und, passend zum christlichen osterfest, hier eine messerscharfe analyse von papst franziskus (aus: wage zu träumen, kösel verlag 2020, s. 73), die es für mich schlicht und einfach auf den „punkt“ bringt:

„das coronavirus hat eine bereits stattfindende zeitenwende beschleunigt. mit zeitenwende meine ich nicht nur, dass es eine zeit des wandel ist, sondern dass all die kategorien und annahmen, nach denen wir uns zuvor in der welt zurecht gefunden haben, nicht mehr gelten. wir erleben nun dinge, deren eintreffen wir uns nie haben vorstellen können: den zusammenbruch der umwelt, die globale pandemie, die rückkehr der populismen – was wir früher für normal gehalten haben, wird es zunehmend nicht mehr sein. es ist eine illusion zu glauben, dass wir zu den alten zeiten zurückkönnten. restaurationsversuche führen uns immer in eine sackgasse.“

…und so hat mir der himmel, die sonne gerade auch ein zeichen der hoffnung, ein freundliches gesicht geschickt, das dich, mich, uns hoffnungsvoll durch diese zeit gehen lassen kann/sollte.

…denn: es gibt kein zurück, nur ein vorwärts (das nicht weiter so, wie bisher).

…(stadt)ansichten nr. 77 …moment mal

…eine kurze szene von heute vormittag lässt mich nun den ganzen tag über nicht los. zunächst: folgendes habe ich heute früh an der mauthstrasse in ingolstadt beobachtet:

symbolbild – quelle: de.freepik.com

…vor einem brillen- und schuhgeschäft sitzt samstags am morgen, wenn ich zum wochenmarkt gehe, regelmäßig ein bettelnder mann (gegenwärtig mit ffp2-maske). wenn man an ihm vorbei geht, kommt von ihm – auch regelmäßig – ein deutlich vernehmbares „guten morgen“. ob dieser mann nun zu einer (fragwürdigen) bettelnden (organisierten) gruppe gehört oder ob er wirklich bedürftig ist, spielt hier keine rolle. ich habe ihn jedenfalls noch nicht als aggressiv wahrgenommen.

…denn, als ich ich richtung fußgängerzone ging, fuhr ein großer suv in richtung wochenmarkt. unmittelbar vor dem bettelnden mann, in ca. 3-4 meter entfernung, hielt der fahrer an, ließ das fenster herunter, warf ein paar münzen auf die strasse, machte seine seitenscheibe wieder hoch und fuhr weiter. der bettler stand auf und sammelte die münzen von der strasse auf.

…diese szene hat vielleicht nur 10 sekunden gedauert, aber den tag über spuren hinterlassen.

…ich frage mich, welche haltung diesen mann im auto bewogen hat, die münzen aus dem fenster zu werfen anstatt auszusteigen. angst vor ansteckung? eile?

…wenn ich einen moment mal in mich hinein höre, dann mag wohl schon etwas (ein kleines etwas) positives hinter der handlung, münzen aus dem auto zu werfen, gesteckt haben. aber die art und weise, die – und nun beginne ich zu werten – herablassende, ja überhebliche geste von sprichwörtlich und tatsächlich oben herab, ist unwürdig. unwürdig für den handelnden, unwürdig für den bettler, den menschen auf der strasse.

…menschenunwürdig. oder nicht?

…also: wenn dann, steigt (bitte) aus.

…(stadt)ansichten nr. 76 …einwegmasken, die neue plastiktüte

…das ist die „ausbeute“ nur eines spazierganges mit unserem hund heute nachmittag, hier, im süden von ingolstadt. und, wenn man mit offenen augen durch die stadt, die region, das land, europa, die welt geht, wird im moment an vielen orten der welt nicht viel anders ausschauen.

…die corona-pandemie, die (schutz)masken vor einer infektion, haben uns (leider) neben der medizinischen dimension auch ein erhebliches müllproblem geschaffen.

…auch wenn die medizinischen (op)schutzmasken und die ffp2/3-masken wie papier anmuten, gehören diese nicht in den papiermüll. denn neben dem risiko, dass gebrauchten masken auch noch krankheitserreger anhaften, enthalten diese einwegmasken auch kunstofffasern, beispielsweise polypropylen. nach schätzungen (etwa von greenpeace) dauert es rund 450 (!) jahre, bis eine einwegmaske komplett abgebaut ist.

…und, ähnlich wie bei (zum teil bald verbotenen) plastiktüten, gibt es auch schon aus asien und anderen teil der welt berichte, dass einwegmasken, zusätzlich zu unserem sonstigen (plastik)müll, der sich schon in den meeren befindet, zahlreich an strände angespült werden.

…einwegmasken, medizinische (op)schutzmasken, ffp2- und ffp3-masken müssen im restmüll entsorgt werden. denn nur dann stellen sie keine mögliche infektionsquelle und kein müllproblem, hier bei uns ums eck und nicht irgendwo auf der welt, dar. danke!

…(stadt)ansichten nr. 75 …einblicke

…nachdem nach langem und zähem ringen, des öfteren nichtöffentlichen tagesordnungspunkten tief in der nacht bei sitzungen des stadtrates und vertiablen juristischen auseinandersetzungen nun die (ehemalige) donautherme wonnemar wieder in verantwortung, bald auch im eigentum, der stadt ingolstadt steht, hatten wir als mitglieder des aufsichtsrates der stadtwerke freizeitanlagen gmbh heut nachmittag gelegenheit, ein paar einblicke in die baustelle zu gewinnen (und so lang dieser satz ist, so lang hat die causa „wonnemar“ gefühlt auch gedauert).

…beginnen wir mit dem einblick in das neue, die zukunft. der neugebaute thermenbereich, hier die große halle, lässt lust aufkommen. lust, unterzutauchen, lust, einfach nur gesundheit durch wasser (sanum per aquam, kurz eben „spa“) zu erfahren.

…ich (jedenfalls) freue mich sehr auf den tag, ab dem ich es mir dort gutgehen lassen kann. und wir, die freizeitanlagen gmbh und ihr aufsichtsrat, arbeiten mit aller kraft daran.

…dann konnten und mussten wir aber auch noch einblicke in den altbestand des bades nehmen. gleich wohl es an der oberfläche fast noch so aussieht, als würden gleich die badegäste (wieder) kommen, durften, mussten wir auch tiefer blicken.

…denn schaut man sich die schäden im technik-untergeschoss und an den stellen oben im badbereich an, kann man erahnen, wieviel arbeit hier noch geleistet, wieviel geld (leider) wohl noch in die hand genommen werden wir müssen, um den bürger*innen wieder ein attraktive anbieten zu können. viel hat sich schon getan, viel ist noch zu tun.

…so sieht man im bild hier oben den geöffneten boden am beckenrand des wellenbeckens über einer der tragenden betonsäulen mit erheblichen korrosionsschäden an der stahlarmierung. die tragfestigkeit dieser säule, ihre sanierungsmöglichkeiten sind einige der fragen, die vor dem tag der eröffnung noch gelöst werden müssen. und wir haben viele weitere aspekte gesehen, wo noch an lösungen gearbeitet wird.

…doch, dies haben mir die einblicke heute nachmittag gezeigt, es ist es 100% wert, das bad für ingolstadt und die region mit neuem und „altem“ teil baldmöglichst wieder in betrieb zu bekommen. wir sehen uns dann dort.

…(stadt)ansichten nr. 74 …ein lockdown-spaziergang

…wie viele menschen in diesen corona-lockdown-zeiten bin ich heute nachmittag mit einer meiner töchter bei strahlend blauem himmel und minusgraden spazieren gegangen.

…einfach, um sich (in der stadt hinter ffp2-masken) zu sehen, zu reden, in kontakt zu bleiben, um auch einfach nur im draußen zu schauen.

…zunächst habe ich meiner tochter die vereisten szenen von markus jordan am theaterplatz gezeigt. darunter ein – wohl gestern abend erst aufgebautes – schaukelndes mädchen mit einer besonderen sicht auf die stadt.

…und dann durften wir auf dem weitern spaziergang sogar kurz zeugen des entstehens ein neuen stadtansicht des malers max biller werden.

…mitten auf der glacis-brücke hatte er seine staffelei aufgebaut, um ein bild der donau, der adenauer-brücke, des schlosses bei eiseskälte zu malen.

…ein schöner lockdown-spaziergang mit zwei wunderbaren momenten voller (stadt)ansichten.

…kleine momente können manchmal großes staunen, große freude bereiten.

#wirsindvielewirsindüberallwirsindhier

…so lautet der hashtag einer kampagne regionaler, lokaler kunstschaffender aller sparten während dieses zweiten corona-lockdowns. der verein neue sicht e.v. möchte (mit unterstützung der ifg ingolstadt) auf die schwere, zum teil schon existenzbedrohende, lage der kunstschaffenden aufmerksam machen.

…ich unterstütze, wir unterstützen (heut erstmal durch sichtbarmachen der kampagne im fenster unseres grünen büros in ingolstadt) diese kampagne.

…wie kannst du helfen? …buchen, buchen, buchen. kaufen, kaufen, kaufen. hingehen, hingehen, hingehen (immer dann, wenn es – wieder – möglich ist). bitte. danke!

…(stadt)ansichten nr. 73 …(licht)streifzug

…irgendwie hatte ich am abend dieses ersten weihnachtstages noch lust auf etwas luft, bewegung und licht. ich hab mich daher auf den weg in die innenstadt gemacht. und ich habe luft, bewegung und licht gefunden.

…und dann (in der innenstadt die einzige) eine weihnachtliche fassadenillumnination der schutterstr. 14

…schon alleine diese beiden eindrücke belegen (für mich), dass der spruch am giebel des stadttheaters seine berechtigung hat:

…(stadt)ansichten nr. 72 …aschenputtel

…die baustellen auf dem ehemaligen gießereigelände in ingolstadt an diesem nebeligen, trüben samstag im dezember sind noch verhüllt. sie stehen unfertig, grau da.

…das kavalier dallwigk (von osten gesehen)
…das congress-zentrum (nach norden)
…die gießereihalle …das zukünftige mkkd (ebenfalls nach norden)

…insgesamt vier große – zählt man das congress-hotel (auf dem ersten bild im hintergrund) dazu – bauvorhaben, die diesen bereich in den nächsten jahrzehnten mit (neben der audi-akademie und der thi ingolstadt) prägen werden.

…allesamt noch unfertig, noch nicht angekommen.

…geht man aber schon jetzt über das areal, vermag man zu spüren, dass hier was im entstehen ist. man kann erste beziehungen der gebäudlichkeiten untereinander wahrnehmen. man kann sich die orte belebt vorstellen, begrünt und in schönerer witterung.

…bei aller berechtigten (leider zu großen teilen fruchtlosen) kritik an der entwicklung des gebietes in der vergangenheit, bei aller anhaltenden kritik in der gegenwart liegt in diesem areal, so wie es nun entsteht, ein chance für unsere stadt. aschenputtel eben.

…eine chance auf mehr urbanisierung, auf mehr großstadt. nutzen wir diese chance, denn am ende sind es nicht nur die gebäude, sondern es ist leben, nutzung, die wirkung, die austrahlung erzeugen.

…(stadt)ansichten nr. 71 …zustandsbeschreibung

…ich war heut nachmittag (zulässigerweise unter der geltung der 11. bayifsvm) unterwegs und konnte dieses graffiti einfach nicht unfotografiert lassen.

…was siehst du in diesem graffiti?

…ich sehe darin ein melancholisches, leicht frustriertes eichhörnchen, das sich etwas ängstlich umsieht. für mich, daher musste ich es auch fotografieren, ein kleiner spiegel dieser tage, dieser zeit.

…es liegt nämlich ein wenig melancholie, angst über unserem land, unserer stadt. nicht zu unrecht, denn die kommenden wochen, die kommenden monate werden zeigen, wie und mit welchen blessuren, welchen erfahrungen, welchen lehren wir aus dieser 2. welle der corona-pandemie herauskommen, weitergehen werden.

…“weitergehen“, das ist das stichwort. denn bei aller melancholie, aller angst, aller unsicherheit, die uns in dieser zeit, individuell und auch als gesellschaft, beschäftigt, belastet, steht eines fest: es wird weitergehen. die corona-pandemie wird beherrscht werden, eine neue „normalität“ wird im kommenden jahr wieder immer mehr raum greifen.

…es bleiben dabei natürlich alle weiteren probleme (klimakrise, soziale ungleichheit, fluchtbewegungen weltweit etc., etc.), aber, wenn wir es denn zulassen, diese pandemie eröffnet uns auch neue chancen.

…chancen, als gesellschaft wieder mehr zusammenhalt, solidarität zu leben. chancen, als individuen, wieder mehr in beziehung, in kontakt zu unseren mitmenschen, unseren lieben zu kommen.

…ich will, muss es versuchen, auch auf die gefahr hin, an der ein oder anderen stelle zu scheitern. aber auch dann gibt es einen anderen, neuen weg, der weiterführt.

…und dieser sonnenaufgang soll uns mut geben, weiterzugehen…

(bild) vladimir osipov, wellington (nz)