…(u-)bahngedanken …ein plädoyer für augenkontakt

…ich könnte identische szenen am morgen in der bahn, vom bahnhof in der u-bahn zur arbeit und wieder auf dem weg zurück tagtäglich selbst ablichten. doch hier ein bild aus tokio.

…im jahr 2018 kann man dieses verhalten an fast jedem ort dieses planeten beobachten. die menschheit schaut sich nicht mehr in die augen, die menschheit schaut auf illuminierte bildschirme, touchscreens. sie tut dies in meist gebückter haltung und huldigt damit irgendwie der ständigen verfügbarkeit von information, entertainment, verbundenheit mit der digitalen welt. das ist – ungelogen und ich bin ebenso einer dieser menschen, der neuen gattung „homo smartphonus“ – eine errungenschaft unserer zeit und bietet viele, fast unendliche, möglichkeiten der digitalen information und kommunikation.

…aber unsere gehirnphysiologie, unsere evolution hinkt, das zeigen immer mehr studien, hinter dieser technologischen entwicklung hinterher. in bestimmten bereichen führt dies auch zu rückschritten, belastest die entwicklung bei kindern und jugendlichen. statt hier unzählige quellen aufzuzählen, empfehle ich, da du dich ja gerade in der digitalen sphäre bewegst, einfach mal eine kurze digitale suche.

…noch vor einem jahrzehnt, ich habe dies manchmal auf dem weg zur arbeit und zurück in der u-bahn in münchen als herausforderung einfach gemacht, konnte man auch auf einer nur zehnminütigen fahr mit mindestens einem mitmenschen näher in augenkontakt kommen, konnte ihr/ihm mit glück auch mal ein lächeln auf die lippen zaubern.

…wir alle wissen um die bedeutung, wichtigkeit, magie von augenkontakt. ich muss nicht viel mehr worte darüber verlieren. schließe vielleicht anschließend einfach mal kurz die augen und fühle, erinnere dich zurück hin zu einem ganz persönlichen augenkontakt. genau deswegen (m)ein kleines plädoyer für mehr augenkontakt, auch in der (u-)bahn. trau dich, es kann dir welten öffnen. probiere es aus!

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…(stadt)ansichten nr. 45 …auf der sonnenseite

…ein gewöhnlicher sonntagmittag anfang märz. noch kurz ein paar pommes auf dem weg zum eishockey in der saturnarena in ingolstadt. die sonne scheint (endlich) mal wieder vom strahlenden blauen himmel herab.

…ich habe an diesem tag, zu dieser zeit aber nicht damit gerechnet, diese andere seite ingolstadts hier, gerade hier, anzutreffen. ein frau, neben dem eingang, um geld bittend. nicht verwahrlost, nicht anweisend, doch die augen schon traurig, scham ausstrahlend.

…angesprochen, warum sie hier sei, kommt unmittelbar die antwort: „ich habe hunger.“ natürlich weiß ich nicht, ob das stimmt, aber jedenfalls ist die person da, wo sie ist und so, wie sie ist.

…ich gebe ihr ein paar euros, frage, ob ich sie fotografieren darf und dann gehe ich, betroffen.

…und, ja, voller scham, dass ich einfach mal so vorbei radeln kann, um meinen hunger zu stillen. und, ja, auch voll dankbarkeit und demut, dass ich auf der sonnenseite des lebens leben darf.

…(ein wenig) nachdenken übers denken

…meine beiden töchter waren kürzlich gemeinsam in paris. sie haben mir ein geschenk mitgebracht. eine tasse mit der silhouette des denkers (von rodin) und überreicht mit den worten „du bist ja auch ein denker“. ich denke, dieses geschenk ist mir sehr wertvoll nun und es hat mich ins denken gebracht.

…denke ich nun an diesen augenblick vor wenigen stunden, so durchfließt mich wärme und, ja, liebe. und es bringt mich ins nachdenken über das (nach)denken.

…beginnen wir mit einer kurzen wortbetrachtung. neben dem denken kennen wir auch das vordenken und das nachdenken. während für mich denken den unmittelbaren, gerade im moment ablaufenden vorgang der gedanklichen beschäftigung mit einem thema bedeutet, weisen das vordenken und nachdenken schon auf etwas hin, was man mit zielgerichtetheit umschreiben könnte. beim vordenken beschäftige ich mich bei etwas, was noch nicht eingetreten ist, das aber erwartet, ersehnt oder befürchtet wird. dabei hat das vordenken zumeist einen positiven beiklang. unter vordenker werden menschen verstanden, die für die zukunft, die entwicklung gedankliche konzepte entwickeln, die über das bloße geschehenlassen hinausgehen, sondern gestalten wollen.

…demgegenüber beschäftigt sich für mich das nachdenken mit schon etwas vergangenem. es meint im engeren sinn die gedankliche auseinandersetzung mit geschehenen ereignissen, um diese einzuordnen, zu bewerten, um daraus zu lernen, erfahrungen abzuleiten.

…vordenken, denken, nachdenken, das macht uns – zumindest soweit bisher bekannt – menschen aus, auch weil unsere gattung die sprache gefunden hat, um gedanken auszudrücken und miteinander auszutauschen. und wir denken solange wir existieren, zu anfangs noch unbewusst, dann immer bewusster bis zuletzt. desartes satz „cogito ergo sum“ fasst dies wunderbar in drei worten zusammen, denn wenn ich noch nicht und ich nicht mehr bin, dann denke ich auch nicht.

…doch denken ist nicht voraussetzungslos. denken setzt sehen, beobachten, hören, riechen, spüren, fühlen voraus. ganz allgemein ausgedrückt braucht es sprichwörtlich wirklich denkstoff, um denken zu können. und dieser denkstoff ereignet sich zeit unseres daseins in der dimension der zeit, täglich, stündlich, minütlich, jeden moment. man muss nur den inneren willen haben, zu schauen, um impulse zum (vor/nach)denken zu bekommen. denken vollzieht sich stets im fluss der zeit, ist der zeit, in der es stattfindet, ausgesetzt, unterworfen.

…und wenn ich so denke über das denken in diesem moment, wird für mich immer wichtiger, dass es notwendig, wertvoll, achtsam ist, vor dem denken erst umfassend zu schauen. denn sonst geht das denken womöglich in die falsche richtung. und da sind wir dann bei werten und wertungen, bei quälität des lebens angekommen. das leben an sich kennt ja keine wertungen. es sind die übereinkünfte unserer gesellschaften, unsere gedankensysteme, die diese erst ermöglichen. und diese übereinkünfte wollen tagtäglich neu ausgehandelt, neu vereinbart werden. das ist leben, das ist menschliches miteinander. und über allem hat ein prinzip zu stehen, unverrückbar: liebe (zum leben).

…und jetzt denke ich, dass ich noch etwas weiter (vor/nach)denke in diesen sonntagabend hinein, egal, was du jetzt von mir denken magst.

…vielleicht denkst du das ein oder andere mal einfach (mit).

…haiku nr. 37 …was?

was kommt als nächstes

der flug zu ende nun oder

phönix immer neu

…in (auch) eigener sache

…haiku nr. 36 …diese woche

fast flug durch die nacht

du auf dem rücksitz in schmerz

licht nun strahlt dir neu

…haiku nr. 35 …du

sprössling verwurzelt

schon tief nun täglich strebst du

höher hoch ins licht