…ein beitrag für plus60: Es gibt keinen „Planet B“ und somit keine Alternative

Gedanken über Umwelt und Glaube von Christian Höbusch

…veröffentlicht im september 2018:

Als Stadtrat  und Mitglied in zahlreichen Ausschüssen und Gremien vertritt Christian Höbusch  seine Überzeugung über die Bedeutung in Sachen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz. Einblicke in seine Sicht auf Natur, Werte und Glauben gewährt er exklusiv für plus60.

Franz von Assisi und Papst Franziskus

„Laudato si, mi Signore“ mit diesen Worten des heiligen Franz von Assisi beginnt die gleichnamige Enzyklika von Papst Franziskus, die Pfingsten 2015 veröffentlicht wurde. Eine Enzyklika, die ich noch in gleichen Jahr richtiggehend aufgesogen habe, denn sie hat mich tief im Herzen angesprochen.

Und so will ich erstmal den Papst sprechen lassen (LS 229): „Wir müssen wieder spüren, dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwortung für die anderen und die Welt haben und dass es sich lohnt, gut und ehrlich zu sein. Wir haben schon sehr viel Zeit moralischen Verfalls verstreichen lassen, indem wir die Ethik, die Güte, den Glauben und die Ehrlichkeit bespöttelt haben, und es ist der Moment gekommen zu merken, dass diese fröhliche Oberflächlichkeit uns wenig genützt hat. Diese Zerstörung jeder Grundlage des Gesellschaftslebens bringt uns schließlich um der Wahrung der jeweils eigenen Interessen willen gegeneinander auf, lässt neue Formen von Gewalt und Grausamkeit aufkommen und verhindert die Entwicklung einer wahren Kultur des Umweltschutzes.“

Gemeinsam für Mensch und Natur

Franziskus fasst hier sehr gut zusammen, dass es in dieser Zeit unsere dringende Aufgabe ist, als gesamte Menschheit untereinander und gegenüber der uns tragenden Natur, gegenüber unseren Mitgeschöpfen, ohne die wir nicht existieren können, eine neue Kultur der Achtsamkeit, des Miteinanders zu leben. Und das ziemlich schnell, denn die Uhr tickt bereits unaufhaltsam gegen uns.

So müssen wir uns zur Bewahrung unserer Lebensgrundlagen vielfältigen Herausforderungen stellen und wirklich nachhaltige Lösungen finden, sei es im Klimaschutz, sei es beim Plastikmüll in unseren Meeren, sei es bei der Energiegewinnung, sei es bei der Produktion von Lebensmitteln (Stichworte: Bio, Massentierhaltung), sei es bei der Mobilität, sei es bei der Armutsbekämpfung und so vielem mehr.

Motivation, auch aus dem Glauben

Aus meinem christlichen Glauben, der durch einen Unfall im Jahr 2011, den ich überleben durfte, neue, kraftvolle Wurzeln bekommen hat und den universellen Werten aller Glaubensrichtungen, ziehe ich Motivation und Kraft, mich für ein Leben im Einklang mit unserem gemeinsamen Planeten einzusetzen und das hier vor Ort in unserer Gemeinschaft. Beim letzten Tag der Nachhaltigkeit in Ingolstadt konnte ich einen kurzen Pfad zur Ermittlung meines ökologischen Fußabdrucks begehen und dieser ist mir, trotz einem schon einigermaßen bewussten Leben, immer noch zu groß. Ich lade sie daher ein, gemeinsam im Jetzt noch mehr für ein gutes Morgen zu denken und zu handeln, denn ich jedenfalls will meinen Töchtern einen Planeten hinterlassen, auf dem sie über blühende Wiesen laufen können und sprichwörtlich sowie ganz real nicht in der Wüste stehen.

Um schließlich den, kürzlich 80 Jahre alt gewordenen, Franz Alt zu zitieren: „Im Geist Jesu müssen nicht alle Umweltschützer Christen, aber alle Christen Umweltschützer sein.“ Denn: Es gibt keinen „Planet B“.

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…(stadt)ansichten nr. 48 …nicht stehenbleiben

…an der kraft dieses bildes, der türme, des gebäudes konnte ich vorhin nicht vorbei gehen. ich musste diese (stadt)ansicht einfach mitnehmen.

…was sagt mir dieser ort? diese kirche steht fest da seit generationen, unzählige menschen haben wohl schon das gesehen, was ich gesehen habe, was ihr gerade seht.

…sie sagt zu mir, dass ich nicht stehen bleiben kann, denn es geht jede stunde, jede sekunde weiter. sich nach rückwärts zu wenden, an vergangenem festhalten wollen geht nicht. ich muss mich dem wandel stellen, positiv, gestaltend, kreativ, achtsam, mitfühlend, offen. das sagt mir dieser ort.

…(stadt)ansichten nr. 47 …quo vadis?

…gestern, als ich am wochenmarkt war, war es noch nicht da. heute stand dann die frage im raum.

…in diesen zeiten, in diesem (bundes)land, auf diesem erdabschnitt, auf dem gesamten planeten eine berechtigte frage. wohin gehst du?

…die wegweiser auf der städtischen orientierungstafel am theatervorplatz geben hier sicherlich keine wirkliche hilfestellung.

…hilfreich kann hier vielmehr sein, sich noch ein paar mehr fragen (erstmal selbst) zu stellen. wie wollen wir leben? was ist ein gutes leben? wann ist mein leben gelungen? welche werte will ich in meine leben leben?

p.s.: ich weiß natürlich, dass das graffiti eine sachbeschädigung darstellt und habe es daher um 14:19 uhr auch über den mängelmelder der stadt ingolstadt mitgeteilt.

…nur (m)ein gedanke am abend

…der himmel entflammt kurz nach zwanzig uhr im sonnenuntergang

…was für ein privileg, diesen moment erleben zu dürfen

…haiku nr. 40 …jetzt

kraftlose sonne

krallt sich in den tagesrand

gibt es ein morgen?

…kann es das (schon) gewesen sein?

…kann es das (schon) gewesen sein? …wie geht es weiter? …was bleibt?

…das sind fragen, die mir in diesen tagen, in diesem jahr immer wieder durch den kopf gehen. und wenn ich mich mit anderen, vor allem männern, unterhalte, dann stelle ich fest, dass nicht nur ich mir diese fragen stelle. ich merke, es beschäftigt viele.

…ja, es sind dies (natürlich) fragen des alters, des älterwerdens (ich werde am ende diesen jahres 50). es ist ein immer größer werdender rückblick. es ist ein begrenzter ausblick.

…nein, es ist aber nicht nur diese lebenszeit, kein (purer) lebensmitteblues.

…es ist auch diese zeit, diese unruhigen tage, die mich ins (nach)denken kommen lassen. denn ich frage mich immer mehr, wie es mit der art „mensch“ weiter gehen soll, weiter gehen wird und damit auch mit mir. an vielen punkten unserer gesellschaft spürt man, wird es offenbar, dass menschlichkeit, menschliches zusammenleben bröckelt, zerbricht.

…sei es, dass schiffe mit menschen, die ihre heimat verlassen haben, nicht in häfen einlaufen dürfen.

…sei es, dass eltern von ihren kindern getrennt werden.

…sei es, dass wir den klimawandel nicht mehr aufhalten können.

…sei es, dass präsidenten wieder beginnen, zu zündeln.

…sei es, dass nächstenliebe unschlägt in selbstliebe, in pure machterhaltung, in immer mehr streben nach materiellem wohlstand.

…sei es, sei es. wir haben diese erde, wir haben die zukunft aller lebewesen auf der blauen kugel in unseren händen. es liegt an dir, es liegt an mir.

…daher ist ( wie auch schon in unzähligen generationen zuvor) die frage „wie geht es weiter?“ angebracht. der unterschied zu den vergangenen menschenaltern ist in unserer zeit allerdings, dass wir an einem wendepunkt unser art, der menschheit angelangt sind. wir haben unsere lebensgrundlagen, unseren planeten, ausgequetscht wie eine zitrone. es tropfen die letzten tropfen öl aus dem inneren, die schale der erde beginnt zu welken.

…es mischen sich gedanken um das persönliche schicksal mit gedanken, sorgen, auch ängsten, um die zukunft der kinder, nicht nur eigenen. es kommen gedanken, wie es nach dem eigenen ende weitergehen wird. was bleibt?

…wenn die erinnerung im herzen, sei es auch nur eines einzelnen, bleibt, dann ist es (schon) genug. wenn frau oder mann die augen schließt und es wird warm ums herz, es kommen bilder, erinnerungsströme, dann ist es gut. dann wurde das wichtigste eine generation weiter gegeben, die liebe.

…ich will also weiter liebe geben, in achtsamkeit und demut, aber bestimmt, klar und deutlich, manchmal auch laut. ich will weiter, an allen stellen, an denen ich wirken kann, vielleicht ein wenig zum besseren wenden. das wird mir nicht in jedem augenblick, in jeder situation voll und ganz gelingen, denn ich bin (fehlbarer) mensch. ich will aber dafür arbeiten, dass irgendwann in zukunft einmal ein anderer mensch seine augen schließen kann und ihr/ihm wärme aus der erinnerung an mich zufließt.

…ich will bis zum letzten atemzug auf diesem planeten versuchen, in liebe zu leben. es ist noch hoffnung.

p.s.: das hier ist (auch) für die, die mich lieben, die ich liebe.

…haiku nr. 39 …sonntagnachmittag

zukunft voll im lauf

fröhlich rasensprinklernass

grau weicht der sonne