Archiv des Autors: hoebusch

…öffnen

…nur noch wenige tage und ich mache mich auf einen weg. auf den weg zum dach der welt. ich werde hier natürlich nach meiner heimkehr davon berichten.

…ich bin in diesen fast 50 jahren des hierseins schon viele wege gegangen. manch weg hat mich weg geführt von gewohntem, hat neue wege gezeigt, neue chancen geöffnet und am ende dann doch wieder einen weg zu mir bedeutet. machmal bin ich vor mir selbst weggelaufen und manchmal bin ich einfach zu mir gekommen, habe mich gefunden.

…ich will in diesen kommenden weg nun keine besonderen erwartungen setzen. ich will mich einfach öffnen. und durch das öffnen kann ich teil des weges werden, sinn, sinnlichkeit, erleben wird mich finden können. bis dann, wir sehen uns auf dem weiteren (gemeinsamen) weg…

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…was bleibt?

…gerade eben habe ich das buch „guten morgen, abendland“ von bernd ulrich begonnen zu lesen und schon – keine angst, dies wird kein werbeblock, keine buchrezension – am anfang, er hat das buch seinen kindern gewidmet, hat mich schon das vorwort verstört, bewegt, sehr nachdenklich gemacht. 

…beschrieben wird, welche erzählung wir, die 1960er jahrgänge – ich bin selbst 1968 – unseren kindern noch vor ein paar jahren erzählen konnten und welche erzählung wir nun für sie haben. wir müssen mitteilen, dass unser land, unser kontinent, unsere welt, unser leben immer mehr ins ungewisse, ins instabile geraten sind. gewiss, veränderungen sind bestandteil des lebens, das leben selbst ist veränderung. aber viele umstände, mit denen wir noch aufgewachsen sind, die unser erwachsenwerden und – sein geprägt haben, können nicht mehr als gegeben, als selbstverständlich angesehen werden.

…(auch) ich habe zwei töchter, gegenwärtig 16 und 18 jahre alt. durch ihr erwachsenwerden und auch durch meine scheidung im jahr 2012 sind die zeiten, in denen ich in ihrer nähe sein kann, weniger geworden. ich vermisse diese nähe sehr. und immer mal wieder sonntags überkommt mich deswegen auch ein „blues“. liegt es daran, liegt es an meinem alter, an der oft zitierten „midlife-crisis“, dass an diesem (noch) schönen sonntagnachmittag ende august graue wolken aufziehen? graue wolken, die fragen in mir aufkommen lassen, auf die ich (in letzter zeit immer öfter) antworten suche.

…fragen, angefangen von der frage, ob das was ich tu, etwas verändert, verändern kann. fragen, ob ich mir, meinen ansprüchen, meiner erwartung an mich selbst gerecht werde, ob ich meinem umfeld, meiner primärfamilie (damit insbesondere meinen töchtern, aber auch meiner mutter, meinem bruder), meiner sekundärfamilie (meiner frau und ihren kindern), meinen freunden genügend gebührende aufmerksamkeit schenke, ob ich mein ehrenamt als stadtrat (noch bis 2020), meinem weiteren engagement als präsident unsers lokalen schwimmvereins ausreichend ideen, kraft geben kann. fragen, ob ich im beruf meinen mitarbeiterinnen und mitarbeitern ein guter vorgesetzter bin. und die nicht zuletzt, ob ich ich zufrieden und glücklich bin, führen mich hin (zur diesmal sonntäglichen) frage: was bleibt?

…vor über eineinhalb jahren ist mein vater gestorben. schau ich mir an, was von ihm geblieben ist, sind dies nicht die materiellen dinge, die natürlich immer wieder erinnerungen in mir wecken. nein, es sind eben diese erinnerungen in meinem kopf, in meinem herz, die bleiben. und es bleibt der mensch (ich), dem er seine gedanken, werte, worte, sein wesen mit auf den weg gegeben hat. es ist dies neben vielen facetten meines wesens, darauf macht mich meine umgebung immer wieder aufmerksam, auch ungeduld. ungeduld, dass sich dinge nicht schneller ändern, und aber auch ganz stark der wunsch nach gerechtigkeit. gerechtigkeit im großen und, tagtäglich immer mehr von bedeutung, im kleinen. es sind diese (seine) prägungen, die mir das leben manchmal schwer, manchmal leicht erscheinen lassen.

…was bleibt also? es bleibt die wesenheit, die ich meinen kindern, den weiteren menschen, denen ich auf meinem bisherigen weg begegnet bin, gezeigt, vorgelebt habe. es bleiben die werte, die ich vermitteln konnte und immer noch, bis zur letzten sekunde, vermitteln kann. es bleiben die bilder aus der vergangenheit, die erinnerungen. und es bleiben die bilder der zukunft. es bleibt der wunsch, die hoffnung nach einem besseren morgen, nach frieden und glück für meine kinder, für meine lieben, für die gattung mensch. es bleibt, dass ich nicht aufhören will, mich zum besseren zu verändern, dass ich nicht aufhören will, mich für ein besseres morgen einzusetzen, zu engagieren, immer da, wo ich gerade bin auf meinem lebensweg.

…und schon sind die grauen wolken in mir den grauen wolken am horizont gewichen. weiter gehts also (in liebe und zuversicht)…

…haiku nr. 34 …hier

so nah und so fern

das hier so fern und so nah

vogel lande, jetzt

…ein paar (wohlstands)gedanken …oder 40 minuten im morgenzug

…dass ich das hier gerade schreiben kann, meine gedanken an einem schwülen, heißen augustmorgen im frühzug zur arbeit beginne, den touchscreen meines ipads mit schwitzigen fingern berühre, hinter mir von falschen schuhen gesprochen wird, ist privileg. ein grosses privileg. so wie viele andere dinge im leben der menschen hier am ort, in deutschland, in europa, im hier herrschenden wirtschaftssystem.

…und doch schleichen sich in diesen tagen immer mal wieder graue gedanken ein. gedanken, die manachmal wie nebel sind und sich auf die sinne, die sensibilität legen. gedanken, die manchmal ein reinigendes gewitter sind, die den blick auf das wesentliche wieder frei machen. heute morgen ein paar spontane, einfach aus den synapsen fliessende gedanken.

…was ist wesentlich in dieser kurzen spanne einer menschlichen existenz. steht man an einem beliebigen tag zu feierabend in einer u-bahn voller erschöpfter mitmenschen, weiss man, dass man nur einer unter vielen ist. weiss man, dass man im gesellschaftlichen räderwerk nur ein kleines zahnrad ist. gleichwohl trägt jedes dieser rädchen, die hoffnung nach was großem, den traum von einzigartigkeit in sich. es ist ein grundbedürfnis des menschlichen, reflektierenden wesens, dass uns der wunsch nach anerkennung, nach gesehenwerden in jedem wachen moment inne wohnt, uns sogar bis in unsere träume begleitet.

…doch wann ist man einzigartig? wann bekommt man wirkliche anerkennung? erstens in dem, was aus uns heraus biologisch heraus entstanden ist. durch unsere kinder, durch die immerwährende verbindung zu ihnen, bis zum letzten tag sind wir einzigartig. und zweitens sind wir einzigartig immmer dann, wenn wir menschen als menschen begegenen. pur, ohne eigennutz,  ohne eigene erwartungen. solche begegnungen finden sich in dem zustand, in dem sein, das man als liebe nennt. solche begegnungen finden sich, wenn man in die augen eines mitmenschen blick, dessen leben man eben in seiner fortexistenz ermöglicht hat.

…es geht also darum, auf das wesenstliche seines lebens zu stoßen. wir hier müssen, dank grosser gesellschaftlicher antrengungen, dank dem einsatz unserer eltern, nicht um die grundlagen unserer existenz fürchten. zwar ist unser umgang mit dem planeten, unser leben auf kosten des lebens anderer, unsere art des strebens nach gewinn, persönlichem und gesellschaftlichem, an die grenzen gekommen. doch im erkennen dieser grenzen liegt auch die chance. die chance, durch weniger mehr sinn in sein leben, in das leben anderer zu bringen. die chance, in der erinnerung mancher menschen auch nach dem ende weiter da zu sein.

…und schon haben sich die grauen wolken, im inneren, am morgenhimmel etwas verzogen. frische kraft, frischer wille ist zu spüren. wille, weiter zu machen, in liebe, und nicht aufzugeben. denn aufgegeben wird erst zum schluss und der ist noch lang nicht da. 

…so, angekommen, am ziel (des morgenzuges).

…haiku nr. 33 …sommerabend

lavendel trocknet

lila duft strömt in die nacht

falterkuss kommt neu

…(stadt)ansichten nr. 43 …bitte absteigen

…ja, ich bin abgestiegen und habe geschaut. nein, ich habe gestaunt. bei der diesjährigen grande schmierage sind ganz, ganz tolle, absteigenswerte, sehenswerte kunstwerke enstanden. genug der worte, schau selbst:

…das sind im übrigen natürlich nur ausschnitte. and cu next year, cause i’ll be there again 🙂

…haiku nr. 32 …strahle

sonne im spiegel

strahl gold in die nacht hinaus

phönix fliege mit