…(stadt)ansichten nr. 41 …über political correctness

…wie oft bin ich schon daran vorbei gegangen, bin daran vorbei geradelt? ich wusste, dass es diesen namen hat, dass es in der donaustrasse in ingolstadt liegt. aber es hat mich nicht gestört, hat kein nachdenken in mir ausgelöst. war das falsch?

…erst als ich auf eine veränderung dort aufmerksam gemacht wurde, habe ich begonnen, mich damit auseinander zu setzen. ich meine das cafe mohrenkopf in ingolstadt (die beiden bilder sind heute vormittag aufgenommen).

…warum beschäftigt mich dieser ort gerade jetzt? er tut es, weil unbekannte den lokalnamen um zwei punkte erweitert haben und damit das cafe nun dort „möhrenkopf“ heisst.

…es meinen also mitmenschen, dass der ursprüngliche name so nicht politisch korrekt ist. oder war es nur ein scherz aus lust an einen naheliegenden wortspiel? ich nehme es mal nicht an. anlass also, sich auch hier ein paar gedanken zu machen.

…ich ging zunächst zur (kultur)geschichte des wortes „mohr“. und schon der wikipedia-beitrag zu dem wort „mohr“ zeigt die vielfältigen aspekte dieser vier buchstaben. diese reichen vom (nun) schokokuss über friedrich schiller hin zum persönlichen wappen von papst benedikt xvi und natürlich auch bis hin zu der seit den 1980/90er-jahren zunehmend (politisch) kritischer gesehenen wortverwendung (so wurde etwa in der schweiz im jahr 1998 für die beschimpfung einer nachbarin als „mohrenkopf“ eine geldstrafe von 300 franken verhängt).

…ich habe heute nachmittag an der „demonstration gegen abschiebelager“ in ingolstadt teilgenommen und dort schilderungen von flüchtlingen gehört, die mich schaudern gemacht haben. schaudern angesichts ihrer aktuellen situation, schaudern aber auch angesichts ihrer fluchtgeschichten.

…vor diesem hintergrund, vor dem hintergrund, dass menschen im jahr 2017 immer noch auf ihrer flucht auf dem mittelmeer ihr leben aufs spiel setzen, es zahlreich verlieren, halte ich es (lieber) mit der beurteilung der eidgenössischen kommission gegen rassismus. diese ist der meinung, dass es beim streit um das wort „mohrenkopf“ nicht um politische korrektheit gehe,  sondern die problematisierung dieses begriffes vielmehr angesichts der tausenden toten im mittelmeer ein „luxusproblem“ darstelle. so sehe ich es auch. 

…ich halte es (und darum steht die kreative veränderung des cafe-namens wohl auch immer noch dort) in diesem fall (im übertragenen und im wörtlichen sinn) mit goethe und (wieder) schiller: 

leben und leben lassen.

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