…ein offener brief an @zeitrafferin

liebe julia,

du hast auf dem politcamp10 bei der podiumsdiskussion zur debattenkultur im online-journalismus einen satz gesagt, der die teilnehmerInnen und auch mich in tiefes erstaunen versetzt hat. ein heftiges twittergewitter folgte.

was war´s? du würdest bei kommentaren auf taz.de gerne „mehr zensieren“.

war das bewusste provokation oder einfach aus dem augenblick heraus formuliert?

nun schätze ich deinen blog und deine artikel auf taz.de sehr. dies vor allem auch auf grund ihrer sprachlichen klarheit und prägnanz.

aber „zensur“ kann einfach im zusammenhang mit online-kommentaren kein adäquates wort sein.

bei der verwendung des wortes „zensur“ schwingen augenblicklich totalitäre konnotationen und subtexte mit. zensur ist ein mittel, um totalitäre ansprüche zu festigen und zu erhalten. zensur ist ein mittel, um meinungsfreiheit und demokratische gesellschaftsstrukturen zu unterdrücken. zensur ist ein mittel, um andersdenkenden keinen raum im öffentlich diskurs zu geben.

ist das dein ziel bei online-kommentaren? nein. also meine bitte: zensur ist so ein „starkes“ wort, dessen kraft auch nur im richtigen – also mit zielrichtung antitotalitär – kontext verwendet werden sollte. vielleicht führt das sonntägliche twittergewitter bei dir in diesem punkt zu einer heilenden reinigung.

meiner meinung nach gehört auch „dummes“ geschwätz, solange es nicht in strafrechtliche und damit a priori gesellschaftlich geächtete bereiche einzuordnen ist, zu einer pluralistischen und demokratischen debatte dazu.

und die leserInnen stimmen, für euch leider nicht immer bemerkbar, eh tagtäglich mit dem scroll-rad ab.

ach ja, da war ja auch noch das „hausrecht“. natürlich gibt es auch ein virtuelles hausrecht. das wird ausdrücklich von gerichten so gesehen (vgl. lg münchen I, urteil v. 25.10.06, 30 O 11973/05).

ob da euer hinweis „taz.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus ähnlichen gründen unangemessene beiträge nicht zu publizieren“ ausreicht oder es etwas ausführlicherer nutzungbedingungen bedarf, vermag ich hier nicht abschließend zu sagen.

wie jetzt aber umgehen mit kommentaren im online-journalismus?

variante a) wenn man das problem vermeiden will, dann einfach die funktion zumachen – variante b) kommentiert den kommentar – variante c) sagt klipp und klar was geht und was nicht geht und was passiert, wenn die grenze überschritten wird – variante d) lasst die community, gerne auch nach einer „bewährungsphase“ des/der kommentatorIn, über die relevanz entscheiden und diese dann auch begründen, denn letztlich ist nichts effektiver als ein saftiges feedback auf einen „dummen“ kommentar.

und ich lese jetzt weiter taz.de…

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16 Antworten zu “…ein offener brief an @zeitrafferin

  1. Ja, es war bewusste Provokation.

    Wenn ihr die nicht veröffentlichten Kommentare kennen würdet, dann wüsstet ihr, dass die ständig „Zensur“ schreien, ohne den Begriff zu kennen.

    Aber ist toll, wie immer alles auf die Goldwaage gelegt wird. Damit produzierst du (und andere) Schleimsprech.

  2. Natürlich darf die taz, und darf jeder ihrer Autoren, die Kommentare unter den Artikeln zulassen oder löschen, wie es ihr gefällt. Die erwähnten Regeln stehen deutlich genug da.

    Es gibt aber weder ein Grundrecht auf Pöbeln noch eines auf Dummsein. Und ich bin bei privaten Webseiten/Blogs/Kommentarspalten, zu denen ich auch die taz zähle, durchaus dafür, aktiv das Diskussionsniveau zu heben. Irgendein Bewertungssystem von Usern genügt dazu nicht, da genau diese Masse eben so dumm ist.

    Auf taz.de zu kommentieren ist kein Grundrecht, und es dort nicht zu dürfen, weil man zu doof ist, ist keine Zensur, denn es gibt genügend andere Gelegenheiten, öffentlich Dummheit zu zeigen. Zensur wäre der Ausschluß von einem Forum, das jedermann zugänglich sein soll – zB das Internet als Ganzes. Ich könnte eine Regel formulieren, die ausdrückt, daß ein Forum umso stärker seine Teilnehmer reglementieren darf, je kleiner es ist – das hieße, eine von einer einzigen Person verantwortete Website darf stark restriktiv sein, eine größere Zeitung sollte offener sein, ein jedermann offenstehendes oder gar für jedermann notwendiges Forum muß unzensiert bleiben.

  3. Hallo Frau Seelinger –
    ich finds nicht schlimm, die Frage nach der Provokation zu stellen – denn wer provoziert darf sich nicht über die Konsequenzen ärgern,
    sondern sollte sich freuen – denn wenn es wirklich eine Provokation war => dann sollten doch genau diese Reaktionen kommen !!!!! Die andere Seite der Provokation ist die Suche nach Aufmerksamkeit, wenn es nicht um Auseinandersetzung, wecken, wachrütteln etc geht; dann geht es darum.
    Ich weis nicht was es war ich weis nur wie es wirkt.

    Auf mich wirkt es so – Zitat:
    „Aber ist toll, wie immer alles auf die Goldwaage gelegt wird. Damit produzierst du (und andere) Schleimsprech.“
    Das hat schon was – ich beanspruche die Deutungshoheit, begründe nicht aber deute an (Deutungs-Hoheit passt hier vielleicht mehr als beabsichtigt) – und wer fragt produziert „Schleimsprech“ – hmmmm – wenn das im journalistischen Weltbild der Taz so ist… dann bin ich baff.
    Aber zur Wirkung: entweder hastig (man, ich kommentier mal schnell, habe keine Zeit und Lust)
    oder bewußt (klar – schon wieder provoziert – die Frage warum bleibt wahrscheinlich offen) oder –
    nun ja, vielleicht dürfen Institutionen nicht kritisiert ist (und das ist jetzt auch eine Provokation: bewußt mit der absichtlichen Frage nach dem Zweck des Sinnes…

    in diesem Sinne zwinker ich Ihnen zu;
    Frau Seeliger,

    ein Schleimsprecher.

  4. Wie jetzt, und es gibt – nach stundenlangem nicht-Freigeben des Kommentars – nichtmal ne Antwort? Doppel-Fail.

  5. Frau Selinger…
    Was ist denn Schleimsprech so alles?
    Die Grenze hier zu „genehmen“ Schreibstücken..
    gibts die?
    Das würde mich sehr interessieren….

  6. donner:

    Was soll denn „das journalistische Weltbild der taz“ sein? Es gibt dort keine Blattlinie. Und ehrlich gesagt bin ich noch die taz ihnen Rechenschaft schuldig. Und welche Institution meinen Sie? Die taz?

    Ihr Beitrag bleibt für mich kryptisch. Mir ging es auf dem Panel darum zu zeigen, dass Diskurs im Netz auch Probleme aufwirft, dass die taz nicht das selbe Publikum wie zB dieses Blog hier. Gleich wieder „Meinungsfreiheit“ zu schreien bedeutet für mich nur, dass man sich nicht weiter mit dem Thema befasst hat.

    Und zuletzt, warum ich sauer auf die Person bin und sie natürlich auch gleich geblockt habe: Warum hat mich dieser seltsame Mensch, der hier offene Briefe ins Netz stellt, nicht vorher mal angesprochen?

    Das ist kein Umgang.

  7. Na ja,
    Viele gute Fragen.
    Auch berechtigte.
    Nur – ob Ihr Verhalten Ihr Anliegen unterstützt oder eher den gegenteiligen Eindruck erzeugt – das bleibt bei mir nicht offen, aktuell habe ich immer noch keine Hintergründe, die ich Ihnen unterstelle, gehört.

    Dann zur Kernfrage:
    Warum benutzen Sie das Wort Zensur und erklären dann nicht, sondern bügeln nieder? Das verstehe ich nicht.

  8. leider warst du einfach auf dem politcamp nicht mehr greifbar. ich bin gerne bereit, mich mit dir auf der re:publica im april zu treffen und über das ganze hin und her hier zu sprechen. akzeptiert? und ich würde mich freuen, wenn wir das ganze hier auf eine sachliche ebene zurück bringen könnten, denn da kommt mein beitrag her.

    • Herr Höbusch. Wenn wir uns auf der re-publica zufällig treffen sollten, bin ich natürlich bereit, mit Ihnen ein paar Worte zu wechseln. Gleichwohl ist es so, dass ich auf der re-publica viele Menschen treffen werde und dort auch noch zu arbeiten habe. Mein Zeitbudget ist also gering, und Sie verstehen sicherlich, dass ich mich lieber mit Menschen treffe, mit denen ich mir auch etwas zu sagen habe.

      Sie haben angefangen, die unsachliche Ebene zu wählen und ihr Verweis darauf, dass man es auf die sachliche Ebene zurückbringen sollte, verwundert mich.

  9. Wenn ich sage „Ich würde bei taz.de gern mehr zensieren“ dann ist das eine Zuspitzung.

    Wenn Sie deswegen anfangen zu heulen, ist es nicht mein Problem. Dieser altkluge Blogeintrag geht mir auf die Nerven, mir sind die Forenurteile und auch die Definition von Zensur etc. bekannt, vermutlich besser als den meisten anderen, die zu diesem Thema gern im Netz laut herumschreien. Ich kann nichts dafür, dass es auch Grüne gibt, die nicht in der Lage sind, zu erkennen, dass man in seinem Haus nicht alles dulden muss und mit fachlich falschem Hinweis auf Meinungsfreiheit die komplexen Probleme, die sich dadurch ergeben, dass es auch Arschlöcher, böse Menschen, Geschichtsfälscher, Rassisten etc im Netz gibt, abbügeln.

    Es stört mich auch, dass Herr Höbusch mich nicht zuerst persönlich anspricht, sondern mir hier gleich einen „Offenen Brief“ ins Netz knallt. Es nervt mich um so mehr, als dass ich jetzt nicht mehr Politikerin bin und eigentlich dachte, dass ich von so etwas in Zukunft verschont werde.

    Dass dies nicht der Fall ist, musste ich ja schon im Falle der undifferenzierten Kritik einiger Mitglieder und Anhänger der Piratenpartei erkennen. Insofern hält sich mein Ärger auch in Grenzen.

    Denoch finde ich, dass das schlechter Stil ist. Und da ich es mir leider nicht verkneifen kann, solche Trolle zu ignorieren, habe ich angefangen, auf diesen Blogbeitrag zu reagieren.

    Herrn Höbusch scheinen ja offenbar die Arguemnte auszugehen, oder er moderiert gerade anderswo Kommentare.

    ^^

  10. Na jetzt versth ich das besser.
    Von heulen bin ich weit enfernt,
    aber dass Sie emotional und genervt sind wird deutlich.
    Nun ja, leider kann ich in Ihrem Stil enorm viel von dem schlechten Stil erkennen, den Sie kritisieren;
    das finde ich – nun ja – moderat ausgedrückt – verwunderlich.

    Sehr verwunderlich insofern deshalb, da hier der Inhalt unter dem Umgangston liegt – und mit den Mittel zu schießen, die Sie selber kritisieren, wow.
    Aber keine Angst – ich heule nicht ;))

  11. Wieso emotional?

    Genervt schon.

    Warum genau empfinden Sie meine Beiträge als vergleichbar mit Geschichtsfälschung, Rassismus oder Beleigungen? Wo sehen Sie so etwas?

    Mir erscheint ihr Posting eher uninformiert, sprich: Sie wissen nicht ganz, was es bei taz.de für (unveröffentlichte und veröffentlichte) Kommentare gibt. Lesen Sie doch erstmal die veröffentlichten Kommentare, am besten bei Themen wie „Islam“, „Migration“, „Israel“ oder „Links-Rechts“.

    Ich räume ein: ich bezeichne Herr Höbusch als Troll. Ich finde, sein Verhalten rechtfertigt diese Einordnung. Mal schnell was ins Netz geschrieben, dann aber keine Argumente mehr haben.

  12. Das sehe ich bei Ihnen leider auch:
    „Mal schnell was ins Netz geschrieben, dann aber keine Argumente mehr haben.“
    Diese Aussage stammt nicht von mir –
    „Warum genau empfinden Sie meine Beiträge als vergleichbar mit Geschichtsfälschung, Rassismus oder Beleigungen? Wo sehen Sie so etwas?“ Stammt nicht von mir.

    Ich beziehe mich ausschließlich auf Ihre Postings hier – die finde ich emotional und nicht sachlich.

    In der Sache – soweit ich die verstehe zwischen den Zeilen der Andeutung – kann ich mir nicht vorstellen sehr konträrer Meinung zu sein.

    Ihr Ton passt nicht – passt einfach nicht, auch wenn das schnelle Medium Netz das nahelegt.

    Hoheitsvoll; so wirkt das, das finde ich schade – Ihr Anliegen wird sehr vernebelt dadurch.

  13. sorry, ich habe hier noch keine argumente gelesen, sondern nehme nur emotionen war. was ist so grundlegend falsch an der sprachkritik (einen richtigen hinweis gibt dazu im übrigen till westermeyer in den facebook-kommentaren)? in einem politischen diskurs geht um sachargumente, die du/sie forderst, aber bisher meiner meinung nach leider selbst nicht geliefert hast. mit persönlichen anwürfen will ich mich ehrlich hier nicht weiter beschäftigen. und persönlich habe ich dich/sie in keinster weise angegriffen (wenn du/sie das so wahrnimmst, dann tut mir das leid). und trolle leben im übrigen auch mit elfen. schönen abend noch, ich bringe jetzt meine kinder ins bett….

  14. PS…
    genervt sein ist ja nun wirklich Emotion ;)))

    —- PUR —

    ;))

  15. Pingback: Von Trollen und anderem “Gemensch” … «

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